Über permanenten Stress, das Gefühl der Aussichtslosigkeit — und was sich wirklich verändert hat.
Sonntagabend. Die Kinder schlafen. Das Wochenende hallt noch nach — in der schönsten Art. Gemeinsame Zeit mit meinem Mann und meinen vier Kindern, dieses Gefühl von Vollständigkeit, von Leichtigkeit, von echtem Genuss.
Und genau in dieser Stille kam die Erinnerung. Daran, wie das noch vor drei Jahren war.
Wie es wirklich war
Damals hatte ich erst drei Kinder. Und ich war permanent gestresst.
Wenn ich morgens aufgewacht bin, habe ich sofort angefangen zu planen — wie ich den Nachmittag mit den Kindern alleine so gestalten kann, dass ich nicht überfordert bin. Den ganzen Tag über: Anspannung. Anstrengung. Das permanente Gefühl, zu viel gleichzeitig halten zu müssen.
Ich wusste so oft einfach nicht, wohin mit mir. Aber das Schlimmste war nicht das Gefühl selbst. Das Schlimmste war, dass ich keinen anderen Weg sehen konnte. Dass das, was ich lebte, sich wie die einzige Möglichkeit anfühlte. Keine Perspektive auf eine Alternative zur Überforderung.
Das war, bevor ich die Non-Dualität nicht nur verstanden, sondern wirklich gelebt habe.
Was sich verändert hat — und wie
Konzepte über Non-Dualität lassen sich lesen, nachvollziehen, intellektuell einordnen. Aber das verändert noch nichts am Nervensystem. Und das Nervensystem ist es, das bestimmt, wie sich das Leben anfühlt. Nicht der Verstand.
Was das Nervensystem braucht, um sich wirklich zu verändern, ist wiederholte Erfahrung. Direkte, körperliche, gelebte Erfahrung dessen, dass ein anderer Zustand möglich ist. Dass Sicherheit möglich ist. Dass Leichtigkeit keine Ausnahme ist, die man sich verdienen muss.
In chronischem Stress bleibt das sympathische Nervensystem in erhöhter Aktivierung. Der präfrontale Kortex — zuständig für Präsenz, für differenziertes Wahrnehmen, für echten Kontakt — verliert an Einfluss. Was übrig bleibt, ist Reaktivität. In diesem Zustand kann man Kinder nicht wirklich sehen. Man verwaltet die Situation. Man überlebt den Nachmittag. So wie ich es damals gemacht habe.
Wenn das System aus diesem Zustand herausfindet — durch echte Integration — entsteht Raum. Für die Kinder. Für echte Präsenz. Für Freude ohne Vorbehalt.
„Der „Ich weiß nicht”-Raum” — über den Prozess dieser Integration
Wie morgens jetzt ist
Heute wache ich auf und freue mich, wenn meine vier Kinder in mein Bett springen. Nicht weil ich das so entschieden habe. Nicht weil ich positiv denke. Sondern weil das Nervensystem ruhig ist. Weil kein Kampf mehr stattfindet — weder gegen die Situation noch gegen mich selbst.
Ich kann ihre Gefühle halten, weil ich meine eigenen nicht mehr bekämpfen muss. Ich kann sie wirklich sehen, weil ich mich selbst wiedergefunden habe. Ich kann mit ihnen tanzen, ohne die nächste Überforderung zu fürchten.
Das ist der Unterschied zwischen einem Leben, das voll ist — und einem Leben, das voll mit Leichtigkeit ist.
Was das mit Non-Dualität zu tun hat
Der Moment der eigentlichen Veränderung kam, als ich aufgehört habe, gegen mich selbst zu kämpfen — und angefangen habe, mich als Teil des Ganzen zu begreifen. Nicht als die Figur, die alles alleine halten muss.
Solange wir uns als getrennte Einheit erleben — als Ich, das gegen Umstände ankämpft — kostet alles Kraft. Weil Trennung Reibung erzeugt. Immer.
Wenn diese Trennung zu bröckeln beginnt, fällt der Kampf weg. Und im Raum, der dadurch entsteht, taucht auf, was vorher keinen Platz hatte: echte Freude, echte Präsenz, echte Verbindung.
Mit vier Kindern. An einem Sonntagabend. In einem Leben, das sich anfühlt wie ein Geschenk.
Nicht weil alles perfekt ist. Sondern weil der innere Krieg vorbei ist.
Mit viel Liebe, Rosa